In Teil 1 dieser KlarheitsImpuls-Serie über das vegetative Nervensystem und unsere eigene Balance habe ich über den Sympathikus und Parasympathikus geschrieben. Dies gab schon mal einen groben Überblick über die Bedeutung unseres vegetativen Nervensystems. Heute nehme ich dich einen Schritt weiter. In Teil 2 will ich dir erklären, wie unser vegetatives Nervensystem in unserem Blueprint funktionieren würde und wie es dazu kommen kann, dass diese angelegte Selbstregulation nicht mehr in Harmonie abläuft.

 

Das vegetative Nervensystem in der Balance

Im optimalen Fall erleben wir von unserer Zeugung bis zum Tod eine gute Basis. Unser Nervensystem kann sich in einem geschützten Raum entwickeln. Wir erfahren Geborgenheit, Schutz, Sicherheit und Liebe. Wir lernen, dass Menschen uns liebevoll und mit offenen Armen empfangen und uns stets willkommen heissen. Wir lernen automatisch, dass es Raum für uns gibt und dass wir diesen Raum einnehmen dürfen. Das Leben anerkennt uns, zeigt uns, dass wir wichtig und dass wir geliebt sind.
Optimalerweise lernen wir, dass wir wütend sein dürfen, dass wir Wut fühlen dürfen und diese Wut auch ausdrücken dürfen. Dies alles, damit wir lernen wie man mit Gefühlen lebt und diese zum Ausdruck bringt. Aber auch, wie wir sie integrieren.

Wir nehmen das Leben wahr, als Liebe, Geborgenheit, Raum für Wachstum und Entwicklung.

 

Gas und Bremse sind in Balance, damit wir im Flow erblühen können

Grundsätzlich dient uns das vegetative Nervensystem als Gas (Sympathikus) und Bremse (Parasympathikus). Solange unser Gaspedal und unsere Bremse in einem ausbalancierten und gesunden Zustand sind, dann ist unser Leben vergleichbar mit einer Welle.
Unser innerer Antrieb will auf ganz natürlichem Wege in Bewegung kommen und etwas tun (Gaspedal). Mit Freude, Schwung und Begeisterung gelangen wir in die Aktivität. In einem Körper, der in Balance ist, erkennen wir, wenn wir den Höhepunkt unserer Aktivität erreicht haben und automatisch meldet unser vegetatives Nervensystem, dass es nun an der Zeit ist, dass wir zur Ruhe kommen. Wir spüren diesen Höhepunkt und wissen intuitiv, dass es nun vom Gas geht oder die Bremse unsere Welle nach unten führt. Der Parasympathikus wir aktiv und hilft uns dabei, uns behutsam, beschützt und geborgen in die Ruhephase zu führen.

 

Das ausbalancierte, vegetative Nervensystem ist in allen von uns angelegt

Diese natürlichen Regulationsmechanismen sind in allen von uns angelegt. Und alle von uns haben die Möglichkeit, diese innere Balance und Selbstregulation wieder zu entdecken.

Häufig sind diese ureigenen Regulationen verdeckt von Schutzmechanismen, die wir durch verschiedene Reaktionen auf schlimme Dinge, die uns in unserem Leben begegnet sind, überlagert haben. Reaktionen, bei denen wir uns in Notfallsituationen empfunden haben. Diese Notfallsituationen, schlimme Dinge, sind für alle von uns individuell.

Es ist wichtig, dass wir verstehen, dass nicht die Situationen, die wir erleben dafür verantwortlich sind, dass unser vegetatives Nervensystem aus der Balance kommt und seine Aufgabe nicht harmonisch und einwandfrei ausüben kann. Sondern, dass es unsere Reaktionen auf Situationen sind, welche unser vegetatives Nervensystem aus der Balance bringen.

Meistens haben diese Reaktionen nichts mit dem Hier und Jetzt zu tun. Sondern es sind Reaktionen, die uns früher einmal «das Leben gerettet» haben. Die heutige Situation ist lediglich der Trigger, der die «lebensrettende» Körperreaktion von früher auslöst. Es sind unsere eigen gestalteten Schutzmechanismen.

Auf Trigger können wir mit Freeze (Erstarrung), Fight (Kampf), Flight (Flucht) oder einer Mischform reagieren.

 

Freeze (Erstarrung)

Mit Erstarrung reagieren wir vor allem dann, wenn wir nicht reagieren können.
Wir haben ein Ohnmachtsgefühl und können uns nicht bewegen. Wir können apathisch oder depressiv reagieren. Wir können beobachten, dass wir vermehrt teilnahmslos sind und einen ausdruckslosen, maskenhaften Gesichtsausdruck haben.

 

Fight (Kampf) und Flight (Flucht)

Bei Kampf und/oder Flucht fühlen wir uns innerlich getrieben und unruhig. Vielleicht beissen wir unsere Zähne fest aufeinander. Und wir verkrampfen uns.

 

Mischtypen

Wir eleben Phasen von grosser und intensiver Aktivität und dann wieder grosser und intensiven Ruhe, beinahe schon Trägheit.
Es ist keine innere Mitte da. Es finden keine sanften Übergänge statt, die uns in die Aktivität bringen und danach in die Ruhe tragen.
Es kann ein Gefühl von «ich kann mir nicht vertrauen» entstehen. Wir kippen von einer Seite auf die andere.
Einerseits drück der Körper auf die Bremse. Wir fühlen uns total erschöpft. Doch innerlich steht der Sympathikus voll auf dem Gas und wir sind dadurch innerlich unruhig. Unser Gedankenkarussell läuft auf Hochtouren.

Das ist ein äusserst unangenehmer Zustand. Innerlich laufen wir auf Vollgas und äusserlich passiert nichts. Äusserlich kriegen wir nichts gebacken, nichts kommt in die Gänge und nichts kann sich entwickeln.

 

Mein Kern-Take aways für dich:

  • Wir alle besitzen eine körpereigene Selbstregulation. Meistens ist sie durch frühere antrainierte Reaktionen überlagert.
  • Es sind nicht die Umstände, die unser vegetatives Nervensystem durcheinander bringen. Es sind unsere Reaktionen, die meistens unvollständig ausgeführt werden!
  • Wenn wir Erstarrung, Flucht oder Kampf in einer eigentlich harmlosen Situation erleben, dann hat es meistens nichts mit der gegenwärtigen Situation zu tun. Die gegenwärtige Situation fungiert als Trigger für eine früher erlebten Situation. Wir übernehmen lediglich diese Reaktion, weil wir dank ihr, das letzte Mal überlebt haben.

Beobachte dich ein wenig:

  • Wann reagierst du mit Freeze, Fight oder Flight?
  • Wie reagiert dann dein Körper, wenn er in den Zustand von Freeze, Fight oder Flight kommt?
  • Wie kannst du deinem Körper in einer solchen Situation Liebe, Geborgenheit, Schutz und Selbstfürsorge geben, damit er sich wohlfühlen kann?

 

Hier findest du Teil 1: Parasympathikus und Sympathikus 

Teil 3: Körperebene ausbalancieren folgt am 31.05.2020 

Teil 4: Verstandesebene ausbalancieren folgt am 7.06.2020

 

Liebe Grüsse Saskja