Diese Woche erreichte mich die Frage, ob es denn nichts gäbe, was das vegetative Nervensystem stärken kann.

Ich habe diese Frage so spannend gefunden, dass ich mich kurzerhand dazu entschlossen habe, eine KlarheitsImpuls-Serie darüber zu schreiben.

Doch schauen wir uns zuerst einmal im Groben unser Nervensystem, genauer gesagt nur den Teil vom Parasympathikus und Sympathikus, an.

 

Das vegetative Nervensystem

Der Parasympathikus und der Sympathikus bilden unser vegetatives Nervensystem. Unser vegetatives Nervensystem unterstützt alle unsere unwillkürlichen Abläufe im Körper. Unwillkürlich bedeutet, dass wir im Grunde genommen nicht aktiv dafür sorgen müssen, dass sich zum Beispiel unsere Pupillen erweitern oder verengen. Dass wir weiteratmen, auch wenn wir nicht ans Atmen denken oder aber auch, dass unser Herz schlägt ohne, dass wir da konkret etwas tun müssen.

Also eigentlich richtig praktisch.

Doch ich möchte dich noch etwas tiefer mit ins Thema nehmen.

 

Parasympathikus und Sympathikus

Der Parasympathikus ist der Ruhe-Anteil. Also zum Beispiel der Schlaf, die Regeneration, das Ausruhen, das Verdauen etc. Der Sympathikus ist die Aktivität, wie zum Beispiel das Aufwachen am Morgen, konzentriert und fokussiert Arbeiten, uvm.

 

Unsere wundervollen Vorfahren

Wenn wir in der Menschheitsgeschichte zurückreisen, dann können wir noch besser sehen, wie unser Parasympathikus und Sympathikus wirklich funktionieren.

Unsere lieben Vorfahren, die Höhlenmenschen, haben uns das vorgelebt, was wir leider mehr oder weniger verlernt haben.

Sie lebten in einer Höhle. Diese Höhle gab ihnen Schutz. Das Feuer gab ihnen die nötige Wärme und die Gemeinschaft liess sie geborgen leben. Wenn sie nach Draussen gingen, dann wussten sie, dass sie jetzt ganz wach, aufmerksam und fokussiert sein mussten. Sie mussten sich aufeinander verlassen. Sie hatten ein klares Ziel vor Augen: Nahrung. Dies mussten sie erreichen, denn sie wollten ihr Grundbedürfnis stillen. Das war die eine Situation, die sie für kurze Zeit in Gefahr gebracht hat. Der Sympathikus musste aktiv sein. Die Pupillen erweitern sich, die Bronchien erweitern sich und der Herzschlag wird schneller. Denn sie mussten für Kampf und/oder Flucht vorbereitet sein und in Sekundenschnelle Reagieren, falls die Gefahr Wirklichkeit wird. Doch, was haben sie danach gemacht? Nach diesem Stressmoment, einem Moment, der über Leben und Tod entschieden hat, haben sie sich in ihre Höhle zurückgezogen. Sie haben sich erholt, gingen zurück an ihren schützenden Ort und gaben sich Geborgenheit. Aktiv gingen sie zurück in die Phase der Erholung und Regeneration und somit aktivierten sie den Parasympathikus.

 

Höhlenmensch vs. moderner Mensch

Die Zeiten ändern sich, doch wir sind von der Physiologie nicht wirklich anders als unsere Vorfahren. Auf was ich hinaus will: Unser Gehirn ist evolutionär-bedingt auf eine Stresssituation pro Tag ausgelegt. Du erinnerst dich an den Höhlenmenschen, der auf die Jagd geht? Ja, das war eine totale Stresssituation und es ging um Leben oder Tod. Es musste schnell reagiert und entschieden werden: Kampf oder Flucht.

Wenn wir nun unser heutiges Leben anschauen, dann erleben wir nicht nur eine Stresssituation täglich, sondern mehrere Stresssituationen. Mehrere Phasen von Kampf oder Flucht und ja, automatisch auch mehrere Phasen von Leben oder Tod. Unser Gehirn und unser Körper entscheidet nicht anders, nur weil tausende oder millionen von Jahren vergangen sind. Er funktioniert immer noch nach den gleichen Prinzipien.

 

Aber wie können wir nun unser vegetatives Nervensystem stärken?

Es gibt in dem Sinne kein Wundermittel, das von jetzt auf gleich ein völliges Gleichgewicht wiederherstellen kann. Auch wenn du jetzt denkst, ja, da gibt es doch Beruhigungsmittel oder Schlaf-Medikamente oder … Ja, da hast du völlig recht, doch diese Medikamente lösen nicht das Problem an der Wurzel. Sie geben dem Körper einen Takt an (was je nach Situation und vorübergehend völlig ok ist). Doch dieser künstliche Takt, der dem Körper “aufgezwungen” wird, löst nicht die Wurzel-Problematik, dass der Körper seine ureigene und natürliche Selbstregulation verloren/verlernt hat. 

 

Yin und Yang vs. Parasympathikus und Sympathikus

Grundsätzlich können wir den Parasympathikus und den Sympathikus in Yin und Yang einteilen. Den Parasympathikus ordnen wir Yin zu und den Sympathikus dem Yang. Das hilft hier vielleicht bei der Erklärung.

 

Yin und Yang in der Natur

Wir können Yin der Nacht, dem Parasympathikus, der Ruhe, Regeneration und Stille zuordnen. Das Yang können wir dem Tag, der Aktivität, dem Sympathikus, dem Antrieb, und dem Lauten zuordnen. Wenn wir den Tag und die Nacht beobachten, dann sehen wir, wie alles ineinander übergeht. Dass aber beides, sowohl der Tag aber auch die Nacht voneinander abhängig sind und dass da aktive Prozesse ablaufen. Dasselbe gilt auch mit den Jahreszeiten. Die eine Jahreszeit ist von der anderen abhängig. Aus der einen Jahreszeit entsteht die andere und jeder Wechsel und jede Zeit verfügt über aktive Prozesse.

 

Yin und Yang im Menschen

Dasselbe gilt für unsere Natur als Mensch. Nach einer aktiven Phase benötigen wir einen aktiven Prozess, um in die erholende und ruhige Phase zu wechseln und umgekehrt. Auch wenn der Parasympathikus und der Sympathikus vegetativ, also unwillkürlich arbeiten, benötigen sie für den Wechsel in die andere Phase einen bewussten Prozess. Je klarer und bewusster ein Wechsel von der einen in die andere Phase ist, desto besser können sie einander ablösen. Desto eingespielter sind sie.

 

Selbstregulation

Grundsätzlich arbeiten diese Prozesse in der Selbstregulation. Doch viele von uns haben diese Selbstregulation verlernt. Diese natürliche Balance ist uns abhanden gekommen. Das kann viele Gründe haben. Auf diese werde ich in weiteren KlarheitsImpulsen eingehen.

 

Mein Kern-Take-Aways für dich:

Weiter oben habe ich geschrieben, wie wichtig Schutz, Geborgenheit und Sicherheit für die Höhlenmenschen waren. Und genau diese drei Punkte sind heute immer noch immens wichtig, damit unser Parasympathikus aktiv werden kann. Nur dann haben wir die nötige Umgebung, damit wir uns voll und ganz regenerieren und erholen können. Aber auch, damit unsere Stoffwechselprozesse und vieles mehr optimal funktionieren kann.

Schlüsselfragen:

  • Wo fühlst du dich sicher/geborgen/beschützt?
  • Wann fühlst du dich sicher/geborgen/beschützt?
  • Woran erkennst du, dass du dich sicher/geborgen/beschützt fühlst?

Liebe Grüsse

Saskja