Reframing

Reframing leitet sich von dem englischen Wort «frame» ab, was so viel heisst wie «Rahmen». Reframing bedeutet wörtlich den Dingen einen neuen Rahmen geben.

Ein Bild kann in einem neuen Rahmen ganz anders aussehen und anders wirken. Wird ein Problem reframt, dann bekommt dasselbe Ereignis eine neue Bedeutung: Neue Einstellungen, Reaktionen und neue Verhaltensmuster werden dadurch möglich.

Reframing bezeichnet den Prozess des Umdeutens, des Einnehmens einer neuen Perspektive und einer neuen Art der Wahrnehmung.

Die Bedeutung, die ein Ereignis, eine Aussage, ein Verhalten, ein Glaubenssatz, ein Auslöser oder ein Reiz hat, hängt vom Kontext (vom Rahmen) ab, in den wir ihm geben.

«Nicht die Dinge und Ereignisse selbst beunruhigen uns, sondern die Meinungen und die Einstellungen, die wir über die Dinge haben.» 

Epiktet

Einstellungen

Unsere Einstellungen sind bewusste oder unbewusste Gedankenmuster, die auf Erfahrungen beruhen und die sich auf das zukünftige Verhalten eher günstig oder ungünstig auswirken. Diese Erfahrungen wurden zum Teil in der Kindheit gemacht und sind als tiefe Einstellungen geblieben und vielleicht jahrelang nicht auf Aktualität und Angemessenheit überprüft.

Sie beeinflussen und steuern unsere Wahrnehmung, unser Denken, Fühlen und Handeln.

Du kannst dir vorstellen, dass unsere Einstellungen wie verschiedene Brillen sind, durch die wir schauen. Da gibt es zum Beispiel ausgeprägte Optimisten- und Pessimisten-Brillen, die alles entweder positiv oder negativ erscheinen lassen. Oder die Opfer-Brillen, bei denen wir uns den inneren und äusseren Umständen ausgeliefert fühlen. Wir handeln entsprechend der Brille, die wir gerade tragen und hinterfragen diese nicht ständig. Sondern, wir setzen sie in vielen Situationen automatisch auf.

Aber ebenso, wie wir regelmässig zu einem Optiker gehen, um die Sehstärke der Brille anzupassen, so lohnt es sich auch, eine Einstellung hinsichtlich ihrer Aktualität und ihre Angemessenheit zu überprüfen. Dazu muss man sich die Denkmuster zunächst bewusst machen, um sie gegebenenfalls bewusst zu korrigieren.

„Es gibt nichts, das an sich gut oder schlecht wäre, nur das Denken macht es so.“
William Shakespeare

Irrationale Einstellungen

Irrationale Einstellungen sind nicht wahr! Sie ergeben sich nicht aus der Realität, werden nicht durch Fakten gestützt. Das Problem ist jedoch: Wir glauben, sie sind wahr! Und überprüfen sie gar nicht mehr! So dachten viele Menschen jahrhundertelang, die Welt sei eine Scheibe. Sie mussten sich schliesslich eines Besseren belehren lassen.

Irrationale Einstellungen begleiten uns in der Regel schon sehr lange. Irgendwann, vielleicht in der Kindheit oder im Laufe einer Biografie haben sich diese Einstellungen eingeschliffen und wieder bestätigt. Problematisch ist nur, dass diese Einstellungen natürlich auch unsere Wahrnehmung trüben und sich die Situation dann genau so ergibt, wie wir befürchtet haben, was die Einstellung wiederum bestätigt. Dieses Phänomen wird dann selbsterfüllende Prophezeiung genannt.

Irrationale Einstellungen behindern, dass wir unsere Ziele erreichen. Sie erzeugen Stress und negative Gefühle. Sie hindern uns daran, im eigenen Leben Genuss und Freude zu erleben.

Übereinstimmung der Innen- und Aussenwelt

Verhaltensmuster, Abwehr- und Verdrängungsmechanismen, die uns früher geholfen haben, erweisen sich in einem anderen Kontext als unbrauchbar und hinderlich. Oftmals wird im Alltag eine alte Prägung aktiviert, ohne dass wir dies bewusst bemerken, und wir reagieren mit einem altbekannten, eingeschliffenen Verhaltensmuster. Diese Strategie war früher vielleicht hilfreich und hat uns geschützt, ist aber in späteren Jahren oftmals unangebracht. Unbewusste Kindheitserinnerungen überlagern sich mit den Erfahrungen, die wir als erwachsene Person gemacht haben. Wir betrachten die Umwelt durch unsere Brille, geprägt von unseren Erfahrungen, bewerten und projizieren das Erlebte auf andere Situationen. Dies führt zu einer hohen Emotionalität, die in der konkreten Situation für das Umfeld nicht nachvollziehbar ist und unangebracht wirkt.

Was können wir tun, um besser zu verstehen, um was es wirklich geht? Wie können wir unsere Haltung oder unser Verhalten verändern? Wie verhalte ich mich «richtig»? Wie kann ich angemessen agieren und dabei authentisch bleiben? Die Selbstwahrnehmung stärken und dabei über sich, das eigene Verhalten und dessen Auswirkungen zu reflektieren, sind wichtige Voraussetzungen dafür – genauso wie Geduld und Ausdauer. Gewohnheiten sind zähe kleine Biester, wie schon Mark Twain festgestellt hat: «Eine Gewohnheit kann man nicht einfach zum Fester hinauswerfen; man muss sie Stufe für Stufe die Treppe hinunterlocken».

„Betrachte immer die helle Seite aller Dinge – und wenn sie keine helle haben, dann reibe die dunkle, bis sie glänzt.“
Nikolaus Enkelmann

Betrachte eine Situation, die dir schwierig und belastend erscheint, einmal anders! Mit dem Reframing erhältst du eine andere Sicht auf die Dinge und kannst sie in einen neuen Rahmen bringen.

Neue Sichtweisen durch Reframing

Durch ein Reframing kannst du deine Realität überprüfen. Um irrationale Einstellungen verändern zu können, muss man sie erst einmal wahrnehmen und sich ihrer bewusst werden. Dadurch wird es möglich, die Perspektive zu wechseln und umzuwerten.