Zum Glück atmen wir unbewusst. Wahrscheinlich würden wir es sonst vergessen oder hätten das Gefühl keine Zeit dafür zu haben. Die Folge daraus wäre schrecklich. Doch, auch wenn wir unbewusst atmen, ist es sinnvoll, deine Atmung auch immer wieder bewusst wahrzunehmen. Im Alltag gewöhnen wir uns meist eine oberflächliche Atmung an. In meiner Praxis sehe ich oft, dass der Brustkorb in seiner Bewegung eher eingeschränkt ist. Das führt dazu, dass ein Teufelskreis entsteht. Zuerst atmen wir oberflächlicher, dann verliert der Brustkorb seine Beweglichkeit. Dadurch wird ein tiefes atmen erschwert und wir atmen weiterhin oberflächlich. In diesem Beitrag möchte ich dir zwei Übungen vorstellen. Diese Übungen wende ich bei mir persönlich an. Ich empfehle die Übungen auch gerne meinen Kunden weiter oder wende sie während einer Behandlung an. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wirkungsvoll diese einfachen Übungen sind.

Einatmen fällt leichter als das Ausatmen

Wie oft holen wir tief Luft und lassen sie nicht mehr raus? In der Regel fällt uns das Einatmen leichter als das Ausatmen. Ich nehme hier mal ein Beispiel, das vielleicht jede/r kennt. Es entsteht eine unangenehme Situation. Jemand bringt dich auf 180. Du holst tief Luft, merkst, dass sich deine unangenehmen Gefühle im Bauch zu einem explosiven Ball vereinen und weisst, wenn du jetzt ausatmest, dann schiesst dieser Ball womöglich unkontrolliert nach aussen. Was bleibt uns in solch einer Situation übrig? Wir schlucken diesen Ball runter, damit er dort bleibt wo er sich angehäuft hat. Und ab jetzt gilt: Unbedingt nicht tief atmen! Die oberflächliche Atmung beibehalten… und einfach weiter machen, als ob nichts wäre.   

Atemübung 1:

Für diese Übung darfst du stehen, sitzen oder liegen. Sie benötigt auch nicht viel Zeit und ist sehr einfach.

Beim ersten einatmen zählst du von eins bis fünf. Also, während dem Einatmen zählst du 1-2-3-4-5

Danach folgt das Ausatmen. Während dem Ausatmen zählst du 4-3-2-1

Darauf folgt wieder das Einatmen. Nun von 2-3-4-5

Ausatmen von 4-3-2-1

Einatmen 2-3-4-5

Ausatmen 4-3-2-1

usw.

Du wirst bemerken, dass dein Körper und deine Atmung plötzlich viel ruhiger wird. Das Zählen wird angenehmer, weil sich der Atem ausbalanciert.

 

Atemübung 2:

Diese Übung funktioniert am besten im Liegen. Natürlich kannst du die Übung auch im sitzen oder stehen machen. Probier einfach aus, was dir einfacher fällt.

Zuerst atmest du ein paar mal ruhig ein und aus. 

1. Du legst deine Hände (übereinander) unterhalb des Bauchnabels auf deinen Bauch. Nun konzentrierst du dich auf deine Hände und lenkst deinen Atem dorthin. Versuche nichts zu forcieren. Einfach ruhig weiter atmen. Wenn du bemerkst, dass sich dein Bauch hebt und senkt, dann kannst du zu Schritt 2 wechseln.

2. Nun legst du deine Hände seitlich an deinen Brustkorb und atmest weiter ein und aus. Sobald du die Bewegung des Brustkorbes spürst, dann gehst du weiter zu Schritt 3.

3. Nun legst du deine flachen Hände links und rechts unterhalb des Schlüsselbeins auf die Brust. Du atmest ein und aus. Sobald du merkst, das sich deine Brust hebt und senkt, kannst du zum letzten Schritt übergehen.

4. Lege nun eine Hand auf Brusthöhe und die anderen Hand legst du unterhalb deines Bauchnabels auf. Nun atmest du in den Bauch ein. Die Hand auf dem Unterbauch wird sich anheben, dann auch die Hand auf der Brust. Beim Ausatmen wird sich zuerst die Hand auf der Brust senken und dann die auf dem Bauch. Es wird eine Art Wellenbewegung geben. Wenn du diese Wellenbewegung zwei bis dreimal gemacht hast, dann…

…lege die Hände neben deinen Körper. Atme zwei bis drei mal durch und geniesse einen Moment lang dieses freie und leichte Gefühl, bevor du wieder in den Alltag zurückkehrst.