Hätte ich auf mein Bauchgefühl und meine Intuition gehört, dann wäre mir das nicht passiert… Eigentlich habe ich es gewusst und doch habe ich mich darauf eingelassen…

Es gibt so viele Situationen in unserem Leben, wo wir tief in uns spüren, dass es sich nicht gut anfühlt. Dennoch lassen wir uns darauf ein. Warum? Warum hören wir nicht auf unser Bauchgefühl?

Wir spüren ein Unbehagen in unserem Bauch. Wir nehmen innerhalb Sekunden wahr, dass wir diese Person nicht riechen können. Oder es gibt eine «stinkende» Situation, sie fühlt sich komisch und nicht vertrauenswürdig an und doch haben wir unsere «voreiliges» Urteil revidiert und lassen uns darauf ein.

Komisch, denn oft hat sich im Nachhinein doch dein negatives Bauchgefühl bestätigt.

Und wie häufig hast du dir dann gesagt: «Hätte ich doch nur auf mein Bauchgefühl gehört…»

 

Unser Bauchgefühl

Unsere innere Stimme ist eine Symbiose aus Instinkt und Intuition.

Die Verbundenheit von unserer Intuition, unserem Instinkt und das Vertrauen in unsere Wahrnehmung erleichtert uns stimmigen Entscheidungen zu treffen.

Häufig ist es jedoch so, dass wir bereits in unserer Kindheit ein verzerrtes Wahrnehmen erlernt haben.

Durch unsere verzerrte Wahrnehmung haben wir das Vertrauen in uns verloren und meinen, dass unser Bauchgefühl falsche Signale aussendet. Wir verdrängen diese Gefühle oder verurteilen uns, weil wir meinen, dass wir falsch sind oder mit uns etwas nicht stimmt.

 

Verzerrte Wahrnehmung – Vertrauensverlust in unsere Intuition

Die Entstehung einer verzerrten Wahrnehmung kann viele Ursachen haben.

Du kennst sicherlich folgende Ausdrücke, sei es aus deiner Kindheit, Jugend oder deinem Erwachsenenleben: «Ach, das bildest du dir nur ein…», «übertreibe doch nicht…», « das ist doch alles nicht so schlimm…», usw.

Das sind zwar alles gut gemeinte Ratschläge, doch sie haben uns selbst das Vertrauen in unsere innere Wahrnehmung getrübt.
Denn wir haben gelernt, dass das eigene Gefühl angeblich nicht mit der Realität übereinstimmt.

Hier ein Beispiel:

Ein Kind hat einen Teddybären. Dieser Teddy wird von tiefstem Herzen geliebt. Überall ist er mit dabei. Das Kind fühlt sich durch ihn beschützt, geborgen, erhält Trost und Sicherheit. Eines Tages geht der geliebte Teddybär kaputt und muss entsorgt werden. Die Trauer ist gross. Das geliebte Stofftier muss gegen den Willen des Kindes weggeben werden. Es muss sich für immer von ihm verabschieden.

Eine grosse Verletzung, viele Gefühle und ein Abschied mit tiefer Trauer werden durch dieses Ereignis ausgelöst.

Doch die Antwort von aussen, auf all den Schmerz und die Trauer ist zum Beispiel: «Ach komm jetzt, das ist doch nur ein Teddybär! Wir gehen morgen einen neuen kaufen, dann hast du wieder einen.»

So kann das Kind seine Gefühle und seine Gedanken, die es in dieser Situation hat, als inkompetent darstellen. Es kann daraus lernen, dass es angeblich nicht weiss, wie die Welt funktioniert. Es spürt zwar, dass es für es ganz schlimm ist, doch anscheinend ist es gar nicht so. Es könnte zu der Schlussfolgerung kommen, dass es falsch ist und kann die Meinung entwickeln, dass mit ihm etwas nicht stimmt.

Daraus können antrainierte innere Konstrukte entstehen. Wie zum Beispiel, dass man sich nicht auf seine Gefühle verlassen kann und darf.

Zur Verdeutlichung noch ein weiteres Beispiel. Ich bleibe in der Kindheit. Natürlich kann eine verzerrte Wahrnehmung auch in der Jugend oder im Erwachsenenleben entstehen!

Ein Kind sah, dass seine Mutter geweint hat. Es fragt die Mutter, weshalb sie traurig sei und weshalb sie weint.

Auf der Gefühlsebene nimmt das Kind wahr, dass seine Mutter traurig ist. Die Sprachebene der Mutter sagt jedoch: «Nein, mit mir ist alles gut. Ich weiss nicht was du hast. Es ist alles in bester Ordnung. Ich bin nicht traurig.»

Eine solche Situation kann uns in innere Konflikte bringen. Das Vertrauen in unsere innere Stimme kann dadurch verloren gehen. Die innere Stimme wird immer mehr überhört oder in Frage gestellt. Der inneren Wahrnehmung wird nicht mehr vertraut. Ganz hart ausgedrückt: Wir beginnen uns selbst zu verleugnen.

 

Verzerrte Wahrnehmung und Schuldgefühle

Eine verzerrte Wahrnehmung führt häufig dazu, dass wir vermehrt zu Schuldgefühlen neigen.

Bleiben wir noch beim Beispiel mit der traurigen Mutter.
Das Kind hat seine Gefühlsebene ausgesprochen, doch die Sprachebene der Mutter war eine ganz andere. Dies kann dazu führen, dass sich das Kind schuldig fühlt. Schuldig, weil es der Mutter Traurigkeit unterstellt hat.
Dadurch kann eine innere Anklage entstehen.

Du kannst dir das wie in einem realen Gericht vorstellen.
In diesem inneren Gericht gibt es den inneren Richter, den inneren Angeklagten (in diesem Falle das Kind selbst).
Der Angeklagte hat etwas «Schlimmes» verbrochen. Der innere Richter urteilt nun über dieses «Verbrechen» und erklärt den Angeklagten für schuldig oder nicht schuldig.

So kann jeder Mensch sich selbst anklagen.

Bei dem genannten Beispiel kann es gut sein, dass das Kind sich selbst verurteilt, seiner Mutter unterstellt zu haben, traurig zu sein, obwohl sie glücklich ist und es ihr gut geht.

Wie hart dieses Urteil im Inneren gefällt wird, ist völlig individuell und von Mensch zu Mensch verschieden. Auch die innere Bestrafung dafür ist unterschiedlich.

Eine «Bestrafung» kann zum Beispiel sein, dass man ein Leben lang Gutes tun muss und niemandem mehr irgendetwas unterstellen darf.

 

Der innere Richter

Schuld umfasst ein Gefühl der Unzugänglichkeit und Verzweiflung.

Schuldgefühle entstehen aus einem Verantwortungsgefühl für negativen Umstände. Es ist ein Gefühl des Bedauerns für tatsächliche oder eingebildete Missetaten.

Schuldgefühle bedürfen keinem bestimmten Begehen. Sie können auch entstehen, wenn wir die Verantwortung von Problemen und Unglück anderer Mitmenschen übernehmen.

Schuldgefühle sind Selbstvorwürfe.

Weil wir uns selbst Richter sind, können wir unsere Urteile auch nicht vernünftig fällen. Ein aussenstehender Richter würde sachlich beurteilen, ein innerer Richter ist irrational, emotional und daher eher skrupellos, weil er den inneren Prozess durch unsere eigenen Gefühlswahrnehmungen richtet.

 

Stress verhindert die Wahrnehmung unserer inneren Stimme

Die vielen Gefühlen und Gedanken, die wir in einer solchen Situation wahrnehmen, führen zu Stress. Dieser innere Stress nimmt unserer inneren Stimme den Raum sich auszudrücken. Wir hören sie nicht und wenn, dann vertrauen wir ihr nicht mehr.

Wir laufen lieber weg. Wir möchten sie nicht mehr fühlen. Wenn wir sie jedoch wegdrücken, nicht mehr fühlen wollen, dann wird sie sich auch nicht mehr melden. Sie wird uns auch nicht mehr stoppen oder uns dabei unterstützten, intuitive Entscheidungen zu treffen.

 

Selbstvertrauen stärken und unserer Intuition wieder vertrauen

Was kannst du jetzt tun, damit du deiner inneren Wahrnehmung wieder vertrauen kannst? Wie kannst du deiner inneren Stimme wieder Raum geben, damit sie sich ausdrücken kann? Hier zwei Übungen für dich:

 

Atem und Stille

Auf den Atem konzentrieren.

Das hat den Vorteil, dass wir unseren Körper und die Körperseele beruhigen. Diese Entspannung klärt und beruhigt den Geist.

Unsere Gefühle und Wahrnehmungen bekommen wieder mehr Raum. Auch die innere Stimme kann sich in dieser Entspannung, in diesem Raum der Ruhe, entfalten und wir können sie wieder hören und wahrnehmen. Auch unsere Visionen und unsere Kreativität können sich wieder entfalten.

Die innere Stimme erhält Platz und somit die Chance, sich mitzuteilen und gehört zu werden. Unsere innere Stimme ist nicht laut. Je lärmiger unser inneres Leben ist, Gefühle und Gedanken, desto mehr wird diese leise Stimme übertönt.

Doch wenn wir zur Ruhe kommen, uns zentrieren, unseren Körper beruhigen und unseren Geist klären, dann bekommt unsere innere Stimme und unsere Wahrnehmung wieder mehr Raum.
Sie kann aufblühen und so können wir wieder zu den wahren Antworten, wahren Entscheidungen, wahren Gefühlen und wahren Konfliktbearbeitung gelangen.

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Gefühlschaos ordnen

Bevor wir uns auf die Anklagebank setzen, kann es sehr hilfreich sein, wenn wir unser Gefühlschaos ordnen.

Schliesse dazu deine Augen und nehme wahr: Was fühle ich? Wo fühle ich es? Was macht es mit mir?

Lerne, diese Gedanken und Gefühle einfach anzunehmen, so wie sie sind.

Atmen nicht vergessen! 

Lass deine Gefühle und Gedanken in einem völlig freien Lauf.

Im Anschluss, wenn sich deine Gefühle und Gedanken beruhigt haben, analysiert du die gesamte Situation.
Nimm dir dazu ein Blatt Papier oder ein Heft und beantworte dir folgende Fragen: Was war geschehen? Was hat es in mir ausgelöst? Was hat ausgelöst, dass ich mich so gefühlt/gedacht habe? Was ist in meinem Körper vorgegangen? Wie fühle ich mich jetzt? Welche Erkenntnis habe ich für mich gewonnen?