Warum hilft uns „annehmen“ beim Erblühen und was passiert, wenn wir zu stark in einer „abgrenzenden Haltung“ sind?

Schon so oft habe ich in meinem Leben gehört: „Du darfst dir das nicht so zu Herzen nehmen“, „Du musst lernen, dich besser abzugrenzen“, „Du musst lernen, „nein“ zu sagen“ und und und…

Vielleicht hast du solche oder ähnliche Aussagen auch schon gehört und versucht all die gut gemeinten Ratschläge umzusetzen, obwohl du gemerkt hast, dass es sich zum Einen nicht gut anfühlt und zum Anderen sehr viel Energie kostet.  

In diesem Beitrag möchte ich mit dir meine persönliche Erfahrungen und Ansichten zu diesem Thema teilen.  

 

Mein Experiment mit der „abgrenzenden Haltung“

Eines Tages habe ich beschlossen, die gut gemeinten Ratschläge endlich in die Tat umzusetzen.

Ab heute mach ich das so, wie das angeblich viele bereits praktizieren. Ich handle wie einige Menschen, die anscheinend genau wissen wie Abgrenzung funktioniert. Auch ich werde lernen, mein Mitgefühl auf den Punkt abstellen zu können und werde nur noch nach meinen Bedürfnissen handeln. Ich werde im richtigen Moment einer Situation den Rücken zukehren und einen anderen Weg, natürlich meinen eigenen, fortsetzten. 

Das war nun beschlossene Sache und wer mich kennt weiss, dass ich das auch so umsetze. Ganz nach dem Motto: Gesagt, getan.

Also grenzte ich mich ab. Ich sagte „nein“ und wollte, dass alles nach meinen Regeln läuft. Alles was nicht in meine Planung passte, blockte ich ab. In der Tierwelt würde man das als Territorialverhalten bezeichnen. Am Anfang freute ich mich darüber, endlich „Nein“ sagen zu können. Doch bereits nach weinigen Tagen merkte ich, dass das Abgrenzen nicht die Lösung ist. Ich war in einer ständigen Abwehrhaltung und da ich mir die verschiedenen Situationen im Leben nicht mehr zu Herzen nehmen durfte, versuchte ich innerlich kalt zu werden. Du kannst dir sicherlich vorstellen,  wie anstrengen das war. Das Experiment habe ich nach wenigen Tagen abgebrochen!

Ich habe nun begonnen, „Annehmen“ und „Abgrenzung“ genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die „abgrenzende Haltung“

Wenn wir uns abgrenzen, dann beginnen wir eine Mauer um uns herum aufzubauen. Wir beginnen unser Territorium zu verteidigen und lösen eine Haltung der Abwehr und des Kampfes aus. Diese Haltung löst Stress aus und unsere gesamte Lebensenergie gerät ins stocken. Durch die Kampfbereitschaft verspannen wir uns. Die ständige „Angst“ vor einem Angriff lässt uns in einer Achtung-Stellung erstarren. Unser Herzschlag ist schnell, unsere Atmung oberflächlich. Wir werden innerlich unruhig und sitzen wie auf Nadeln. Hinzu können Schlafprobleme kommen, weil wir kampfbereit bleiben müssen. Das ist anstrengend und raubt uns Energie.

Unser Körper gibt uns klare Signale, dass wir uns entspannen müssen, doch durch unsere künstlich aufgebaute Mauer und Gefühlskälte nehmen wir das eher als Drohung und Behinderung wahr.

Wir geraten aus unserer Balance. Ein erblühen ist kaum möglich. Ein Teufelskreis, den wir mit dieser Haltung verstärken und verfestigen.

Die „annehmende Haltung“ 

In einer annehmenden Haltung leben wir im Hier und Jetzt und unsere gesamte Aufmerksamkeit ist genau auf diesen einen Moment gerichtet. Wir geben uns dem Moment hin und nehmen wahr. Wir spüren die Energien fliessen. Das bedeutet: Wir nehmen voll und ganz war, was sich im Körper gerade abspielt. 

Die Herausforderung an dieser „annehmenden Haltung“ ist, dass wir die Signale unseres Körpers annehmen wie sie sich gerade zeigen. Sie dienen unserer Orientierung. Doch häufig wechseln wir in diesem Moment zur „abgrenzenden Haltung“, weil wir Angst-, Schuld- oder Schamgefühle bekommen. Wir denken, dass diese Selbstkontrolle das einzig richtige ist.

Die Selbstkontrolle hilft uns aber lediglich dabei, gegen unseren Willen und unsere Bedürfnisse zu handeln. Wir blockieren den freien Fluss der Energien. Wir verlieren unsere Lebensfreude. Wir distanzieren uns vom Leben. Wir blockieren unser wachsen und gedeihen. 

Nehmen wir hingegen achtsam wahr, was wir fühlen und welche Signale uns der Körper sendet, werden wir lernen die Botschaft dahinter zu verstehen. Wir werden klarer handeln und entscheiden können. Wir bleiben im Fluss der Selbstregulation und dein Leben kann erblühen.